Interview Oswald Werle

 

Herr Werle, viele Unternehmen sprechen heutzutage von zukunftsweisenden Visionen.
Braucht ein Unternehmen wirklich eine Vision?

Unbedingt. Wirklich neue Wege zu gehen, neue Lösungen zu kreieren, braucht viel Mut und natürlich auch viel Ausdauer um das Ganze umzusetzen. Auf dem Weg zur Realisierung gibt es immer Hürden, die es zu überwinden gilt. Und es ist ganz wichtig, dass es eine geteilte Vision gibt, die ein Zielbild darstellt auf das man hinarbeitet um die Energie nicht zu verlieren und die Hürden auch überwinden und die Vision in die Realität umsetzen zu können.

Wie sah Ihre Vision bei der Gründung von inet-logistics aus?

Der Gründungsgedanke von inet war die unternehmensübergreifende Vernetzung unter Nutzung des Internets. Das war damals, im Jahre 2000 sehr früh, weil sich kaum ein Unternehmen vorstellen konnte geschäftskritische Prozesse dem Internet anzuvertrauen. In der Zwischenzeit hat sich das massiv geändert. Heute sind solche Lösungen state-of-the-art geworden. Und man könnte auch sagen ein cloud-basiertes Transportmanagementsystem ist ein must-have für viele Unternehmen.

Hat damals jemand an die Vision von inet geglaubt?

Viele fanden die Idee eine Plattform zu entwickeln, um Transporte darüber effizienter abzuwickeln, die noch dazu offen und webbasiert ist, viel zu riskant und schon fast träumerisch. Aber wir als inet-logistics – damals gerade einmal 15 Mitarbeiter – haben bereits vor 16 Jahren kompromisslos daran geglaubt und es zu einem marktfähigem Produkt entwickelt, das heute viele führende Unternehmen erfolgreich zur Optimierung ihrer globalen Transportnetzwerke einsetzen.

 

Interview Oswald Werle

 

Die Vision des cloud-basierten TMS hat sich realisiert.
Was ist nun der nächste Schritt – gibt es eine neue Vision?

Die inet Vision 2025 „Creating a collaborative world“ ist eine konsequente Weiterentwicklung von der Gründungsidee, also der unternehmensübergreifenden Vernetzung. Die Weiterentwicklung bedeutet vor allem unsere Kunden wettbewerbsfähiger zu machen, indem Sie Themen der Digitalisierung, auch der Industrie 4.0 im Bereich der Transportlogistik mit unseren Lösungen entsprechend effizient umsetzen können und dadurch deutlich wettbewerbsfähiger werden.

Was bedeutet „creating a collaborative world“ konkret?

In einer ersten Phase ging es vor allem darum die Geschäftspartner eines einzelnen Unternehmens zu integrieren. Die nächste Entwicklungsstufe wird sein, dass man auch mit Wettbewerbern zusammen, ganze Netzwerke, oder auch ganze Industrien optimiert und dadurch deutlich höhere Potenziale realisieren kann. Das hat viel mit Veränderung von Organisation, aber auch Überwindung von Emotion zu tun, weil man auch mit Wettbewerbern im Markt zusammenarbeiten muss.


Muss Collaboration überhaupt so weit gehen?

Es ist deutlich zu beobachten, dass interne Optimierungen vielfach ausgeschöpft sind, andererseits der Druck aus Gesichtspunkten der Umweltbelastung steigt. Es ist heute so, dass nach wie vor Transporte, LKWs nur durchschnittlich mit 60% ausgelastet sind. Hier ist ein großes Potenzial die Auslastung weiter zu verbessern, was wiederum in Kostensenkungen und auch in Senkung von Emissionen mündet. Und diese Optimierung wird in den nächsten Dekaden mit Sicherheit passieren. Dafür müssen Unternehmen aber unternehmensübergreifend denken, planen und optimieren.

Und was bedeutet die Vision für Partner und Mitarbeiter von inet?

Die Komplexität heute und in der Zukunft ist zu viel für einen allein - man wäre angesichts der immer schnelleren Entwicklungszyklen zu langsam, zu schwerfällig. Der Begriff Collaboration bringt klar zum Ausdruck, dass Unternehmen ihre Skills und Produkte zu einem Gesamtoptimum verbinden müssen. Und auch wir im inet Eco System müssen multilateral agieren, um die besten Lösungen und Services für unsere Kunden bieten zu können.
Für inet wird es auch bei dieser Vision wieder ein Lernprozess über viele Jahre sein, in der die Vision ausgestaltet und umgesetzt werden muss. Dazu brauchen wir wieder den unbändigen Willen und das Durchhaltevermögen um technische, emotionale sowie organisatorische Hürden, die bei Partnern, Kunden und bei uns selbst auftreten, zu überwinden.

Vision 2025