Digitale Lieferketten sind seit einigen Jahren ein globales Trendthema, befeuert durch das Aufkommen multipler Technologien. Auch die Chemieindustrie ist sich dessen völlig bewusst und hat deswegen die digitale Transformation zum Hauptthema der "LogiChem 2018" gemacht. Supply Chain Manager führender Chemiehersteller teilten in Amsterdam ihre Ansätze zum Einsatz von Technologie mit, um den aktuellen Herausforderungen der Branche zu begegnen.

Realistische Transformationen

Vorsicht ist allerdings geboten bei den ersten Schritten in Richtung Agilität und wenn Tools wie Excel durch spezialisierte Software zur Prozessoptimierung ersetzt werden. Denn Organisationen laufen Gefahr dabei "lost in Transition“ zu werden, also sich in der Transformationsphase zu verlieren. Carsten Weers, Leiter globales Supply Chain Management BASF, erläuterte deswegen die Strategie des Unternehmens einen realistischen Wandel zu initiieren und voranzutreiben, um knappe Implementierungsressourcen zu kompensieren.

Gemeinsam mit internen und externen Quellen begannen sie entsprechend eines Trichter-Ansatzes damit zuerst eine breite Palette an Digitalisierungschancen zu identifizieren. In einem zweiten Schritt wurden die Projekte dann priorisiert nach Auswirkung auf das Geschäft, schnelle Implementierungszeit und Rollout-Potenzial. Schlussendlich wurden einzelne Projekte implementiert, skaliert und über verschiedene Geschäftsbereiche abgestimmt. Weers nannte vier Schlüsselfaktoren für den Erfolg von digitalen Transformationsprojekten: Konzentration auf die Lösung von dringenden Schwachstellen für das Unternehmen, Schaffung sofortiger Erfolgserlebnisse, Austausch bewährter Praktiken sowie kleine Schritte mit schneller Skalierung.

 

Funnel approach vs. Vision
Quelle: Carsten Weers, Head of Global Supply Chain Management, Monomers Division BASF. Logichem 2018 keynote.

Transformation bei voller Fahrt

Die Branche wird derzeit einerseits dominiert von breiten Diskussionen über digitale Trends wie Big Data, Blockchain und künstliche Intelligenz. Andererseits investieren große Technologie- und Beratungsunternehmen Milliarden, um die digitale Transformation der globalen Produktion zu beschleunigen.

In diesem Zusammenhang machte Sibylle Mutschler, Leiterin Digital bei Clariant, darauf aufmerksam, dass ‚Management Commitment‘ unersetzlich für erfolgreiche Digitalisierungsbemühungen ist.

Die Skizzierung des digitalen Pfades ist absolut notwendig, aber Mutschler warnte davor in einen "Überplanungsmodus" zu geraten, wenn es darum geht betriebliche Effizienz durch Digitalisierung zu steigern. Projekt-Kick-offs sind entscheidende Schritte, die parallel zum Tagesgeschäft werden müssen. Deswegen erinnert Mutschler: "Der Betrieb muss laufen und Sie müssen Ihren Plan und Ihre Projekte bei laufendem Betrieb umsetzen".

change-agent
Quelle: Sibylle Mutschler, Head of Digital, Clariant. Logichem 2018 keynote.

Chemiebranche fordert gemeinsame Plattform

Mit der Fähigkeit von Einzelhandelsunternehmen wie Amazon Bestellungen immer schneller und transparenter zu liefern, steigen auch die Erwartungen der Kunden kontinuierlich mit. Die Konsumenten gewöhnen sich an schnelle und einfache Transaktionen und setzen damit auch für die B2B-Märkte neue Maßstäbe. Daher wurde auch auf der LogiChem 2018 die Notwendigkeit angesprochen, eine gemeinsame Plattform für die Zusammenarbeit von Chemieunternehmen zu schaffen.

Beim größten Supply Chain Event der Branche zeigte sich deutlich, dass auch die Chemieindustrie von der Bedeutung der Digitalisierung überzeugt ist, um mit Ineffizienzen in der Lieferkette wie manuelle Prozessen und mangelnde Transparenz umzugehen. Wer sich auf den Weg der digitalen Transformation begibt, kann diese beheben und ein TMS ist eines der besten Werkzeuge dafür.