fal-2018

(c) BVL/ Kai Bublitz 

In der Königsdisziplin der Logistik - der Automobillogistik - ist der zeitnahe, einfache Überblick über das eigene Supply Chain Netzwerk oft unmöglich. Von daher liegt das Motto des heurigen Fachkongresses der Automobil-branche „Chancen durch Transparenz – sehen, verstehen, handeln“ auf der Hand. Realtime Transparenz ist das was Supply Chain Manager suchen wie den heiligen Gral.

End-to-End Transparenz nur mit TMS

In einem Punkt ist man sich mittlerweile einig: nur durch die Digitalisierung der Supply Chain Netzwerke können Lieferketten transparent gestaltet und der Wettbewerbsvorteil gesichert werden. Um diese digital und am besten online zu planen, zu managen und zu optimieren, braucht man ein cloudbasiertes Transportmanagementsystem. Auch Prof. Dr. Ing. Thomas Wimmer, Vorsitzender der Geschäftsführung BVL Bremen zählt IT-basierte Transportmanagementsysteme zu den wichtigsten Schlüsseltechnologien, um End-to-End Transparenz in den automobilen Wertschöpfungsketten zu erreichen.

 

dr-wimmer-speaking

(c) BVL/ Kai Bublitz 

 

Daten(über)fluss in geregelte Bahnen lenken

Diese Transportmanagementsysteme und zig andere Quellen liefern inzwischen Daten in bisher unvorstellbarem Ausmaß und zu ständig sinkenden Kosten. Ein Fokus des Kongress liegt daher auf der Frage wie die verfügbaren Informationen verarbeitet und gewinnbringend verwendet werden können.

Oliver Jung, COO von Schaeffler AG gibt beispielsweise beim Thema Internet of Things fehlende Datenstandards zu bedenken. Laut ihm können zwar prinzipiell alle Dinge miteinander vernetzt werden, aber alle sprechen verschiedene Sprachen, verstehen sich also nicht. Deswegen sieht er Standardisierung als Muss um IoT und Automatisierung Realität werden zu lassen.

Einen anderen Einwand aus der Praxis bringt Professor Dr Boris Otto vom Fraunhofer Institut für Software- und Systemtechnik  zur Datennutzung aus Data Lakes. Obwohl er die Wichtigkeit von Data Lakes für beispielsweise Predictive Analytics unterstreicht, vermisst er gleichzeitig die breite Anwendung von Regeln für die Nutzung der Daten – also wie oft, wie lang und wofür auf gewisse Daten zugegriffen werden darf.

 

schaeffler-fal

(c) BVL/ Kai Bublitz 

Disruptive Technologien – Game Changer oder Hype?

Auch Jürgen Maidl, Bereichsleiter Produktionsnetzwerk Logistik bei BMW unterstreicht, dass neue Ideen wichtig sind, aber auf Anwendbarkeit und Rentabilität geprüft werden müssen weil gerade im IT-Bereich die Anzahl der Fachkräfte sehr begrenzt ist. Frauke Heistermann, Mitgründerin der Axit AG gab genau das beim Thema Blockchain zu bedenken. Sie sieht derzeit nur ausgesuchte Anwendungsfälle der Technologie in der Automobillogistik, da die Überprüfung eines Blockchain Items derzeit rund 30€ kosten und fast zehn Minuten dauern würde. Das schließt automatisch Anwendungen aus, die Realtime Informationen brauchen wie beispielsweise Statusupdates.

Das Spannungsfeld von Innovation und praktischer Anwendbarkeit charakterisierte etliche Zukunftsdiskussionen am Kongress und wird sich auch in Zukunft spannend bleiben!