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Maschinen sind nur rentabel, wenn sie in Betrieb sind. Die Ersatzteillogistik sorgt dafür, dass zum Beispiel Fließbänder, Flugzeuge, LKWs oder Autos reibungsfrei laufen und bei einem Ausfall schnell wieder instandgesetzt werden.

Klingt zunächst simpel, ist aber enorm komplex: Denn beim Ersatzteilgeschäft kommt es auf jede Sekunde an. Steht eine Maschine still, drohen Millionenverluste. Die Kosten für den Transportweg spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Es geht um Schnelligkeit und eine möglichst produktionsnahe Lagerung. Die Firmen können es sich nicht leisten, ein Ersatzteil nicht vorrätig zu haben. Andererseits ist jedes Teil, das umsonst einlagert, totes Kapital. Die Prozesse sind vielschichtig und laufen immer unter Zeitdruck ab. Damit die Ersatzteile rechtzeitig geliefert werden, sind innovative Prognosewerkzeuge nötig, die möglichst genaue Vorhersagen treffen. Der Notfall muss immer mit eingeplant werden. Sonderfahrten sind die Regel.

Ersatzteillogistik unter Zeitdruck

Fällt zum Beispiel ein Flugzeug in Dubai aus, weil die Turbine defekt ist, muss es schnell gehen. Standzeiten großer Passagierflugzeuge kosten bis zu 100.000 Euro pro Tag. Also gilt es, so kurzfristig wie möglich das Ersatzteil aufzutreiben. Notfalls wird eine entsprechende Turbine sogar aus einem Flugzeug, das sich gerade noch im Bau befindet, ausgebaut und geliefert. Hauptsache, die defekte Maschine in Dubai geht wieder in die Luft.

Damit die Supply Chain bei Airbus reibungslos klappt, sorgt unter anderem Zulieferer Satair. Experten schätzen, dass Fluggesellschaften rund ein Zehntel ihrer Betriebskosten für die Lagerung und Just-in-Time-Lieferung von Ersatzteilen aufwenden. Ein zuverlässiges und schnelles Versorgungsnetzwerk sowie lange Verfügbarkeitszyklen sind erforderlich. Riesige Lager stehen rund um die Welt bereit und halten zehntausende Bauteile in vielfacher Ausführung vor. Mit jeder neuen Produktlinie, wächst die Menge an Ersatzteilen. Zudem muss der Ersatzteillieferant die Flotten sehr genau kennen, um Prognosen treffen zu können.

Satair versucht, Ausfälle von vornherein zu vermeiden. Dazu werden die Flugzeuge von Airbus in engen Inspektionszyklen präventiv gewartet. Aufgabe des Ersatzteilzulieferers ist es einzuschätzen, wo sich der Flieger zur nächsten turnusmäßigen Wartung aufhält. Gar nicht so leicht, denn die Maschinen sind ständig unterwegs, werden umgeleitet und die Flugpläne ändern sich. Die Flugzeuge sind deshalb mit Sensoren ausgestattet und senden bereits in der Luft Signale an die Bodenstation. So wird das Ersatzteil im Idealfall schon geliefert, bevor das Flugzeug landet. Das ist ein enormer Logistik- und Kostenaufwand.

 

diksussion auf dem Forum Ersatzteillogistik

 

Trends auf dem Forum Ersatzteillogistik

Das Forum Ersatzteillogistik zeigt anhand von Best Practices wie dem von Satair, welche Anforderungen an das Ersatzteilgeschäft gestellt werden und welche IT-Lösungen der After Market benötigt. Das betrifft natürlich nicht nur die Luftfahrt – auch Branchen wie Automotive arbeiten ständig an neuen zukunftweisenden Konzepten und Lösungen. Dabei spielt die Digitalisierung eine wichtige Rolle:

So virtualisiert die MTU in Friedrichshafen beispielsweise Ihre drei Läger in USA, Europa und Singapur und legt diese zusammen. Trotz der physischen Trennung wird so getan, als gäbe es nur ein großes Lager. Das reduziert die Lagerkosten enorm, da nicht mehr jeder Standort alle Ersatzteile vorrätig haben muss.

Lieferketten effizient zu vernetzen – darum geht es auch in Sven Davids Vortrag. Der Senior Manager ist für die Logistikprozesse der Daimler AG verantwortlich. Hier werden die einzelnen Lieferketten nicht mehr gelöst voneinander betrachtet, sondern die Supply Chains im gesamten Konzern aufeinander abgestimmt und verbessert. Der Trend geht also zu einem Supply Net, was nur den ersten Schritt in Richtung „collaborative world“ darstellt.

Outbound-Prozesse als Basis für erfolgreiches Ersatzteilgeschäft

„Der Aufbau solcher Supply Nets bietet viel Potential und kann die Ersatzteillogistik deutlich verbessern“, bestätigt auch Business Development Manager Alexander Redmann. Er ergänzt jedoch, dass vor der Vernetzung von Lieferanten und Werkstätten sowie von nationalen, regionalen und lokalen Lagern erst die Prozesse im Outbound optimiert werden müssen. „Wir machen die Erfahrung im After Market der Automobiler, dass es oft wenig Sinn macht, eine Software auf bestehende Strukturen zu stülpen, solange diese nicht funktionieren“, so Redmann. Die Mühe lohnt sich aber allemal: Denn nach dem Fahrzeug selbst ist der Service in den Werkstätten und damit die Ersatzteillogistik eine große Chance für Automobiler, sich positiv in den Köpfen der Kunden festzusetzen.